Projektvorstellung Lichtfest

„… es wurde von Woche zu Woche auch immer lauter. Also hat man gemerkt, dass sich da etwas zusammenbraut“, erinnert sich Georg, 49, Erzieher, der das Jahr 1989 als Wehrdienstleistender größtenteils hinter den Kasernenmauern wahrgenommen hat.

Georg ist einer von mehreren Gesprächspartnern, die wir für eine Interviewreihe zum Lichtfest 2017 mit unserem Onlinemagazin Viertelrausch über die Friedliche Revolution und das Leben in der DDR interviewt haben.

Insgesamt haben wir sechs Interviews geführt. Die Befragten gehören unterschiedlichen Altersklassen und Berufsgruppen an – entsprechend vielseitig sind die aufgezeichneten Geschichten und Antworten. Die Protagonisten sind Schüler einer 11. Klassenstufe; Kristin, Studentin, 26; die „Fietzliesen“, drei Frauen zwischen 46 und 49 Jahren; der 49-jährige Erzieher Georg; Jens, ein 43-jähriger Geschäftsführer sowie der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung (59).

Als die Idee entstand, das Thema Herbst ’89 und das Motto „Aufbruch, Offenheit und Verantwortung“ aufzugreifen, war für uns schnell klar, dass wir dies über persönliche Geschichten machen möchten. Seit Januar 2015 betreiben wir unser Onlinemagazin, in dem wir Leipzigerinnen und Leipziger aus verschiedenen Stadtteilen porträtieren.

Das Lichtfest erinnert an eine Bewegung, die eine Diktatur zu Fall gebracht hat, unter der die Einwohner und Einwohnerinnen nicht frei sein konnten. Heute verstehen wir Demokratie als ein System, bei dem Menschen eine wesentliche, mitbestimmende Funktion einnehmen. Populistische Strömungen, gezielte Falschmeldungen, die Verbreitung von Hass und Hetze in sozialen Netzwerken – Phänomene unserer Zeit, die jedoch zunehmend in das gesellschaftliche Miteinander eingreifen. Spätestens seit den politischen Entwicklungen der vergangen zwei Jahre nehmen wir unsere demokratischen Freiheiten und Grundwerte nicht mehr als gegeben an und möchten mit Viertelrausch einen Beitrag zur Meinungsvielfalt leisten.

Die Interviews zeigen, wie unterschiedlich das Leben in der DDR wahrgenommen wurde und heute rückblickend auch noch wird. Die Menschen geben in ihren Erzählungen sehr persönliche Einblicke auf ihr damaliges Leben, lassen nicht nur Erinnerungen, sondern auch Gefühle lebendig werden.

43.000 Postkarten werben offline für Online-Interviews

Parallel zu den Interviews erschienen sechs Postkartenmotive mit Zitaten aus den Interviews, um auf die Online-Interviews aufmerksam zu machen. Insgesamt wurden 43.000 Exemplare gedruckt, die in Leipzig und Region verteilt wurden.