Im
Rausch

Slow Media – Unsere Inspiration.

Über Nachhaltigkeit und Inspiration eines Mediums.

Im Moment bereiten wir uns auf unseren Vortrag im Rahmen des South by Southwest Festivals (SXSW) vor. Wir haben hin und her überlegt, welches Thema wir vorstellen möchten. Eine Thematik, die uns seit längerem begleitet sind die Überlegungen von „Slow Media“. Wir reden hier nicht von langsameren Medien, als andere Medien. Vielmehr geht es um die Nachhaltigkeit des Mediums. Das kann man bspw. mit Slow Food vergleichen. Der Fakt, welcher Slow Media dazukommt ist die Inspiration. Medien sollen hier Leser und Leserinnen inspieren und wurden ebenso mit Muße und Inspiration geschaffen. Man könnte beinahe sagen, dass Slow Media Rezipienten verzaubern soll. Wie wir uns genau mit unserem Portfolio in diesem Gebiet ansiedeln und welche Erfahrungen wir damit gemacht habe, könnt ihr im nachfolgenden Text nachlesen. Das sind unsere ersten Überlegungen zu unserem Vortrag in Austin.

 

 

Slow Media in Form von Human Stories in Zeiten des digitalen Rauschs

 

 

Vor zwei Jahren haben wir unser Unternehmen gegründet und zu unserem Alltag gehören selbstverständlich auch Netzwerkveranstaltungen. Dort treffen wir viele verschiedene Menschen, unter anderem Pierre. Pierre ist Geschäftsführer bei Teamfact, einer kleinen SAP Business Intelligence Beratung. Er hat das gleiche Problem wie alle in der deutschen Tech-Beratung – er hat ein großes Problem passende Mitarbeiter zu finden. Er hat wirklich alles versucht. Er arbeitet mit Headhuntern, hat überall Stellenanzeigen geschalten, eine moderne Webseite aufgesetzt und versucht einen Schritt voraus zu sein. Das klappte alles irgendwie nicht. Er schwärmte bei unserem Treffen jedoch so sehr von seinem Unternehmen. Er hat tolle Mitarbeiter, eine einschlägige Unternehmenskultur und zahlreiche interne europaweite Veranstaltungen.

Aber als wir den Tag darauf seine Webseite besuchten, konnten wir viele Punkte, von denen er so überzeugend gesprochen hat, nicht finden. Wir konnten die moderne Webseite sehen, aber nicht die ausschlaggebenden Argumente wiederfinden, die uns am Abend zuvor so für sein Unternehmen und seine Mitarbeiter beigeistert haben. Oft geht es um die Töne zwischen den Zeilen, die nirgendwo stehen. Dann kamen wir auf die Idee: Wenn Pierre so ein tolles Team hat, warum lassen wir die Mitarbeitenden nicht selber sprechen? Daraufhin haben wir für ihn eine Kampagne ausgearbeitet, in der einzig und allein die Mitarbeitenden dem Unternehme eine Stimme und ein Gesicht geben. Uns ging es darum, dass jeder seine Leidenschaft, seine Verbindung und seine Wertschätzung gegenüber des Unternehmens erzählt. Was treibt sie an? Warum arbeiten sie genau bei Teamfact? Welchen Punkt schätzen sie an Teamfact besonders? Das haben wir Pierre vorgestellt.

Am Anfang war er noch etwas skeptisch. Kann er von seinen Mitarbeitern verlangen, so persönliche Geschichten preiszugeben? Wir reden nicht über private Geschichten, sondern persönliche Geschichten. Er konnte sich nicht richtig vorstellen, wie es aussehen und wirken soll. Wir konnten ihn überzeugen den Schritt zu gehen. Er hat uns vertraut und an unsere Stärken geglaubt. Wir gehen verantwortungsvoll und sensibel in solchen Situationen vor. Und damit konnten wir die Kampagne starten. Wir haben begonnen die Mitarbeitenden zu interviewen und das Material aufzuarbeiten.

Für die Leute war das sehr aufregend und eine ungewohnte Situation. Uns ist bewusst, dass wir da sehr sensibel umgehen müssen. Das Schöne ist, dass wir das Vertrauen gewinnen konnten und dass sich die Mitarbeiter gewertschätzt fühlten. Sie sind stolz darauf, ein Teil der eigenen externen Kommunikation zu sein und dazu beizutragen, dass sich mehr Leute bei Teamfact bewerben.

Am Ende sind eine digitale Story mit Adobe Spark, eine Facebook-Canvas-Ad, ein Magazin, ein Leporello, Sticker, Banner und noch viele weitere Materialien entstanden. Pierre kann jetzt immer mit seinem höchsten Gut seines Unternehmens, nämlich seinen Mitarbeitern, um neue Mitstreiter kämpfen.

Pierre schafft mit der Kampagne durch diese Transparenz höheres Involvement der Bewerber, weil sie schon den ersten persönlichen Kontakt mit dem Unternehmen haben bevor sie sich bewerben. In der Beratung bieten 90 Prozent aller Unternehmen die gleichen Boni an. Die einzige Möglichkeit herauszustechen ist die Unternehmenskultur und diese konnte Pierre damit abbilden.

Wie Sie sicherlich wissen, ist Pierre nicht der einzige, der Probleme hat, gute Mitarbeiter zu finden. Wir sind der Meinung, dass man den Recruitingprozess optimieren kann, indem man wahrhaftige Aussagen, authentische Bilder und lebhafte Geschichten darstellt.

Stellen Sie sich doch mal vor, sie sehen ein Unternehmen, was so gut funktioniert, so tolle Werte lebt und in dem jeder gleichberechtigt zu Wort kommen darf – würden sie nicht dort auch gerne arbeiten?

In Deutschland wurde ein Konzept von 3 Wissenschaftlern entwickelt, das Slow-Media-Manifest. Slow klingt in erster Linie wie tödlicher Begriff für alles was mit Medien zu tun hat. Es geht hier aber nicht um Geschwindigkeit, sondern um Nachhaltigkeit und Inspiration. Slow Media sind auratische Medien, die inspiriert geschaffen wurden und Nutzer und Nutzerinnen inspirieren.

Die Kampagne, die wir vorgestellt haben steht exemplarisch für weitere Anwendungsbeispiele. Die Kommunikationskampagnen mit diesem Ansatz setzen auf leibhafte, greifbare und ehrliche Geschichten von Menschen. Die aufgenommenen Stories in Form von Interviews zeigen Zusammenhänge auf und erläutern verschiedene Thematiken auf sehr nahe und persönliche Weise. Bei der Konzeption der Storyline stehen die Geschichten, also die Botschaften und der Charakter des/der Einzelnen im Vordergrund. Die fotografische Dokumentation der Interviewsituation rundet den Leitgedanken ab.

Sie können sich die Anwendungsgebiete von Imagebroschüren, über die kommunikative Begleitung von Change-Prozessen bis hin zu anderen Recruiting-Geschichten vorstellen.

Die Kommunikationskampagnen streben nach Wahrhaftigkeit. Die Symbiose aus den zu transportierenden Inhalten und dem Human Touch bildet den Kern der Kommunikation. Es geht nicht um gestellte Momente, sondern um eine wahrheitsgetreue mediale Begleitung alltäglicher Arbeitssituationen und die ehrliche Stimme der Mitarbeitenden.

Das ist ein Plädoyer dafür, sich in einer Zeit mit multioptionalen Möglichkeiten für einen reflektierten, nachhaltigen Umgang mit Medien entscheiden wird. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Kommunikationsmöglichkeiten entstanden. Nun geht es darum bewusste und aufmerksame Nutzungsweisen zu finden. Was gibt es authentischeres als die wahrhaftige Stimme und das Gesicht des Unternehmens?

 

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